Gastkommentar: Offener Brief – Digitale Verbotskultur

A1PlakatMausMitBlut_ThumbmailSehr geehrte Frau Haderthauer,

aktuell machen Sie und Ihr Ministerium ja – zu mindestens in der Spiele-Gemeinschaft – mit einer Debatte der derzeitige Prüfungsverfahren von USK und BPJM von sich reden [1].
In diesem Zusammenhang haben Sie unter anderem bei dem Spiel „Dead Space 2“ mittels eines so genannten Appellationsverfahren eine erneute Prüfung durch die USK gefordert. Diese kam aber wieder zu dem Entschluss, dass „Keine Jugendfreigabe“, die beste Einstufung dieses Titels ist. Jetzt fordern Sie eine erneute Prüfung des aktuellen Jugendschutzes, eine „Verbesserung des USK-Verahrens“ und eine Möglichkeit eine Prüfung durch die BPJM, auch wenn das USK-Verfahren zu einer eindeutigen Einschätzung kam. Als Grund geben Sie unter anderem an, dass „im bisherigen Verfahren eine Reihe fachkundiger Gutachter das Spiel als indizierungswürdig bewertet hatten“.

Inwieweit sehen Sie es als notwendig an, die USK quasi zu entmachten und jede ihrer Entscheidungen auf den Prüfstand zu stellen? Deutschland hat eines der härtesten Jugendschutzgesetze der Welt. Insofern erschließt es sich nicht für mich, dass Sie eine erneute Verstärkung des Jugendschutzes verlangen. Die USK setzt sich aus Vertretern der obersten Landesjugendbehörden, Pädagogen, Journalisten, Sozialwissenschaftler oder Jugendbeauftragter zusammen, die eigentlich aufgrund ihrer Laufbahn wissen sollten, wie man ein Spiel am besten bewertet. Warum also, muss die BPJM noch als zusätzliche Instanz der Alterseinstufung eingeführt werden?

Wäre es nicht besser, mehr auf die Aufklärung der Eltern und auch Kinder zu setzen, als erwachsenen Menschen den Bezug dieser legalen Medien zu erschweren? Verbote haben selten geholfen ein Problem in den Griff zu kriegen. John B. Priestley hat einmal gesagt: „Verbotenes bekämpft man am besten, indem man es erlaubt.“ Stattdessen sollte es doch möglich sein das ganze Geld, was wir bei ebensolchen Verboten und Kontrollen aufbringen, in die Aufklärung und Bildung zu stecken.

Es stellt sich auch die Frage, warum Computer- und Videospiele vom Jugendschutz härter behandelt werden und durch Ihre Initiative noch härter behandelt werden sollen, als z.B. Filme oder Bücher? Meiner Meinung nach ist das die typische Angst des Menschen vor neuem, vor Dingen, die er nicht versteht.

Im Übrigen würden mich die Namen der genannten „fachkundigen Gutachter“ interessieren, auf dass sich die interessierten Bürger ein Bild von deren Qualifikation und Kompetenz machen können.

Mit freundlichen Grüßen
Christian Beuster

Dies ist ein offener Brief. Er und Ihre Antwort wird auf www.peter-goldman.de und www.piraten-erfurt.deveröffentlicht.

Ein Gastkommentar von Christian Beuster.
Christian beschäftigt sich mit digitalen Medien, Jugendkultur und Computerspielen.
Er ist Mitglied der Piratenpartei KV Erfurt, Pirate Gaming und ehrenamtlicher Mitarbeiter im Institut für ComputerspielSpawnpoint
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[1] http://www.chip.de/news/Dead-Space-2-Freigabe-Bayern-stellt-USK-in-Frage…


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