Podiumsdiskussion zum Urheberrecht (mit Aufzeichnung)

Unter dem Thema „Fidentinus unter uns – Urheberrecht schützen!“ trafen anlässlich eines Aktionstags des DJV-Landesverbandes Thüringen am 3. Mai 2012 verschiedene Vertreter aus Politik und Journalismus im Gemeindehaus auf dem Erfurter Domberg zusammen.

Die Gesprächspartner im Überblick
Michael Potrich (Moderator, freier Journalist),
Stefan Endter (DJV Hamburg),
Walter Hörmann (Chefredakteur Freies Wort),
Carsten Meyer (MdL und medienpolitischer Sprecher Bündnis 90/Die Grünen),
Dr. Bernd Seydel (freier Journalist) und
Tim Staupendahl (Rechtsanwalt, Vorsitzender Piratenpartei Deutschland Kreisverband Erfurt)

Für die PIRATEN Erfurt stellte sich der Vorsitzende Tim Staupendahl den kritischen Frage des Moderators Michael Potrich. Er betonte den Unterschied zwischen dem Diebstahl eines Kleidungsstücks und z.B. dem Herunterladen eines Filmes. Vielmehr kommt es auf den Unterschied zwischen der kommerzielle Nutzung und der Privatkopie an. Die digitale Medien machen es zwingend möglich, dass das Urheberrecht neu gestaltet wird. Urheberrechtsdiskussionen seien schon so alt wie die Menschheit selbst.

Der freie Journalist Dr. Bernd Seydel wies auf die zwiespältige Gratwanderung von Nutzen und Erlauben im Internet hin. So ist er persönlich sehr begeistert von den Möglichkeiten des Internets, ärgert sich aber über die Verwendung seiner Bilder durch Dritte, um daraus Profit zu schlagen.

Der medienpolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, Carsten Meyer, wies auf die tagtäglichen absichtlichen und unabsichtlichen Urheberrechtsverletzungen hin, die jeder Internetnutzer beim Surfen im Internet z.B. bei der Verlinkung von Artikeln auf Facebook begeht. Die Politik kommt seiner Ansicht nach nicht drum herum, das Urheberrecht diesen Gesetzmäßigkeiten anzupassen.

Der Chefredakteur des Freie Wortes, Walter Hörmann spricht sich für einen klaren Schutz der Urheberrechte aus. Da aber heute Inhalte aus dem Internet verlustfrei kopiert werden können, sieht er eine Durchsetzung des Urheberrechtes als schwierig an. Er will dabei materielle und immaterielle Güter nicht gleichsetzen, sondern mahnt eher die kriminelle Energie an, die in diesem Bereich besteht. Zudem seien in seinen Augen Softwareprogramme eine schöpferische Leistung – wenn dem nicht so wäre, dann gäbe es einen Stillstand in der digitalen Welt.

Stefan Endter als Vertreter des DJV Hamburg ist der Überzeugung, dass ein Diebstahl im Kaufhaus mit einem Eingriff in das „geistige Eigentum“ gleichzusetzen sei. Ihm ist es das oberste Gut, dass der Urheber geschützt werden soll. Das Urheberrecht darf aus diesem Grund nicht verändert werden. Der Mensch leistet eine schöpferische Leistung und das Urheberrecht gibt dem Urheber die Chance, dieses Recht umzusetzen.
Insgesamt arbeiteten die Diskutanten ihre jeweiligen Positionen in der Podiumsdiskussion klar heraus. Die zum Teil sehr unterschiedlichen Ansichten zum Urheberrecht zeugen jedoch von einem weiten Weg zu einem Konsens über eine mögliche Neugestaltung des Urheberrechts.

Die ganze Diskussion ist in voller Länge hier zu finden: http://youtu.be/LF583gANSx4


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